Moderation im Deutsch- und Französichunterricht
Ausarbeitung von Cordula Ackermann
Einleitung
Das Bild des Lehrenden hat sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt. Unter „Lehrer“ versteht man nicht mehr den Schulmeister, der belehrend und monologisierend vorne steht und dem Schüler sozusagen das Wissen eintrichtert, sondern er soll im Sinne des lateinischen Ursprungswortes „educere“ das Beste aus dem Schüler herausziehen, es zum Vorschein bringen. Es ist also die Eigenaktivität des Schülers gefragt.
Dies erscheint auch vor dem Hintergrund logisch und sinnvoll, dass der Mensch über mehrere verschiedene Lernkanäle verfügt. Die Moderationsmethode bietet vielfältige Möglichkeiten, alle Kanäle, den visuellen, den auditiven und den Handlungskanal mit einzubeziehen. Auf diese Weise werden alle Teilnehmer möglichst individuell angesprochen und auf mehrfache Weise positiv gereizt.
Die Rolle des Moderators
Der Leiter einer Moderation versteht sich auch im Schulkontext nicht mehr als eine völlig abgegrenzte Person, die das Wissen vorgibt oder den Prozess lenkt, sondern eben als Moderator, der ebenso Teilnehmer der Gruppe ist und von dem zunächst nicht primär ein inhaltlicher Output ausgeht.
Das Wort Moderation bezieht sich also auf eine spezifische Grundhaltung des Leiters, der nach einer bestimmten Methode handelt und dazu verschiedene Werkzeuge, z.B. für die Visualisierung, aber auch für die Struktur des Ablaufs verwendet.
Der Moderator versteht sich dabei als Helfer der Gruppe, daraus ergibt sich, dass er keine Bewertungen von Äußerungen der Teilnehmer vornimmt, aus denen „Richtig“ oder „falsch“ hervorgeht, sondern er hilft der Gruppe, eigenverantwortlich zu arbeiten. Die Teilnehmer sollen den Gedankenprozess selbst durchlaufen und durch eigene Denkleistung der Lösung näher kommen.
Der Moderator verpflichtet sich in erster Linie der äußerlichen Gestaltung der „Arbeitszeit“ in der Gruppe und sorgt dafür, dass die Arbeitsatmosphäre optimal bleibt und nicht gestört wird. Er führt die Gruppe durch die Arbeitsschritte und visualisiert sie.
Die Moderationsmethode findet schon seit Jahren Eingang in die Unternehmensführung und, in der Arbeit von Projektgruppen usw. Warum soll sie keinen festen Platz im Schulalltag erhalten?
Im Folgenden soll auf verschiedene Aspekte der Moderationsmethode und ihrer Möglichkeiten im Schulunterricht eingegangen werden. Als Beispiele dafür eignet sich vor allem der Deutschunterricht, an dem beispielhaft die Methoden…..dargestellt werden sollen.
Schließlich soll noch auf die Besonderheiten der Moderationsmethode im fremdsprachlichen Kontext eingegangen werden, dazu wird der Französischunterricht herangezogen.
Vorteile der Moderation
Der Moderator hat darauf zu achten, dass jeder in angemessener Weise zu Wort kommt und nicht ein Teilnehmer die anderen dominiert. Durch die Visualisierung geht der Inhalt nicht verloren, sondern wird konserviert und dient somit als Gedächtnisstütze während der Diskussion, dies vermeidet auch Wiederholungen und führt letztendlich schneller zum Ziel.
Durch die Aktivierung der Teilnehmer interessieren diese sich womöglich stärker für das Thema, sie fühlen sich in ihrer Meinung ernst genommen und sehen diese in Relation zu den anderen Beiträgen visualisiert und integriert.
Warum Moderation in der Schule?
Die Moderationsmethode eignet sich vor allem im Schulkontext gut zur Erreichung bestimmter methodischer Ziele und auch Erziehungszielen, denen sich der allgemeine Bildungsauftrag verschrieben hat. Dazu gehören soziale Kompetenz und Teamarbeit, das Übernehmen von Verantwortung und insgesamt, was man „Soft skills“ nennt. Diese werden seit Jahren vermehrt von Absolventen der allgemein bildenden Schulen verlangt, wenn sie ins Berufsleben einsteigen. Insgesamt hat sich der Bildungsauftrag der Schule durch die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien verändert, die Moderationsmethode kann einen Beitrag zur Aktualisierung der Situation leisten.
Weiterhin verändern sich die äußeren Umstände des Unterrichts, dazu gehört auch das weitere Anwachsen der Klassengrößen, mit denen der Lehrer aber auch die SuS fertig werden müssen. Die Anzahl der Schüler muss quasi in einem geringeren Zeitraum bewältigt werden, mehr Schüler müssen gleichzeitig angeregt werden.
Unterschied zum normalen Frontalunterricht
Die Schüler werden aktiviert und dazu angehalten, mitzuarbeiten. Die Lehrkraft tritt als Wissensvermittler in den Hintergrund und ist nur zur Gesprächsführung bestimmt. Außerdem werden Formulierungen der SuS verwendet, dies trägt zu einem besseren Verständnis des Stoffes bei und sorgt auch für eine höhere Akzeptanz des Stoffes unter den Schülern. Allerdings muss man bemerken, dass die Moderationsmethode zur Ergänzung und nicht als Ersatz älterer Methoden gesehen werden muss, denn eine reine Wissensvermittlung kann mit Moderationsmethoden kaum zeitökonomisch geleistet werden. Dies ist eine andere Prämisse, der die Schule verstärkt unterliegt.
Methoden zum Kennen lernen
Im Schulkontext verbringen SuS den Großteil ihres Tages und haben dort langfristig ihr relevantes soziales Umfeld an dem die Schüler vorrangig aber auch die Lehrkräfte teilhaben.
Es ist also von großer Bedeutung, sich in diesem Kontext wohl zu fühlen, dazu gehört die Kenntnis der anderen und die eigene Integration in verschiedene Gruppen, je nach Klassenzusammensetzung.
Die SuS bleiben idealerweise das ganze Schuljahr über zusammen, Änderungen in der Zusammensetzung finden in der Regel zum Beginn eines neuen Schuljahres statt, wenn Klassen neu aufgeteilt werden bzw. SuS ihren Neigungen entsprechend in neuen Zusammensetzungen Wahlpflichtfächer belegen. Deshalb ist es auch in der Schule durchaus sinnvoll, zum Beginn eines Schuljahres Kennenlerntechniken einzusetzen, um ein gutes Klassenklima herzustellen und jedem Schüler die Möglichkeit zu geben, sich individuell und aktiv in die neue Gemeinschaft einzubringen. Die folgende Methodik ist nicht fächerspezifisch zu sehen, sondern völlig unabhängig davon zu betrachten.
Dazu eignen sich in besonderer Weise die Kennenlernmatrix, der Steckbrief, das Partnerinterview bzw. das Gruppeninterview:
Alle vier Möglichkeiten machen deutlich, dass es im Kontext des Unterrichts nicht nur um sachliche Inhalte geht, sondern dass es auch um jeden einzelnen der Teilnehmer geht, der in seiner Persönlichkeit und seinen Bedürfnissen wahrgenommen werden soll.
Die Kennenlernmatrix wird schon vorbereitet der Gruppe vorgestellt. Neben den identifizierenden Bereichen wie dem Name sollten vor allem auch persönliche Merkmale abgefragt werden wie Hobbys oder typische Eigenschaften, das Lieblingsessen etc. Die spezifischen Inhalte der Matrix sollten je nach Jahrgangsstufe und Niveau natürlich entsprechend angepasst werden.
Um sich selbst vorzustellen, eignen sich in jüngeren Klassen z.B. auch kleine Wortspiele wie die Zuordnung von Eigenschaften für jeden Buchstaben des Namens o. ä. (Toll, Ordentlich, Mitreißend) Dies lockert die Stimmung auf und ermutigt auch schüchternen Schülern im spielerischen Rahmen etwas über sich preiszugeben.
Sobald die Pinnwand ausgefüllt ist, können die Schüler sich entweder mithilfe ihrer Notizen noch einmal selbst vorstellen oder die Schüler schauen sich die Pinnwand einfach gemeinsam an und können Fragen stellen. Wichtig ist jedoch, dass diese Informationen gut sichtbar in die Klasse gehängt und jederzeit zugänglich bleiben. Auf diese Weise ist die Klassengemeinschaft in ihrer Gesamtheit und individuell vertreten, jeder Schüler hat seinen gleichberechtigten Platz mit den anderen. Für die Schaffung eines harmonischen Klassenklimas, das zu guten Lernerfolgen beiträgt, eignet sich diese Methode in besonderer Weise.
Eine andere Möglichkeit der persönlichen Vorstellung bietet der Steckbrief. Er bietet mehr Platz für persönliche Informationen und kann von den SuS auch individuell gestaltet werden. Lediglich einige feste Stichpunkte sind verpflichtend, um eine Struktur erkennen zu lassen. Die SuS bereiten im Unterricht ihren Steckbrief vor und können ihn dann der Klasse vorstellen. Bei eher jüngeren SuS oder auch schüchternen Klassen eignet sich dabei eher das Partnerinterview oder Gruppeninterview, in welchem man zunächst mit einer kleineren Gruppe zu tun hat. Des Weiteren wirkt die Vorstellung des eigenen Steckbriefs durch seinen Partner entlastend auf evtl. schüchterne SuS, die befangen sein könnten, wenn sie über sich selbst sprechen sollen.
Vorteil der Moderationsmethode ist ihre vielfältige Einsetzbarkeit. In einzelnen Teilen kennen auch die Didaktiken der verschiedenen Fächer gute Visualisierungsmöglichkeiten an der Tafel oder am OHP. Hier sollen nun eine Möglichkeit erörtert werden, wie das Zusammenspiel von Moderationstechniken sinnvoll im Deutschunterricht eingesetzt werden kann:
In diesem Beispiel soll es um ein Projekt „Schülerzeitung“ im Deutschunterricht einer Jahrgangsstufe 10 gehen.
Für den Einstieg wählt man am sinnvollsten eine Methode, die die SuS zunächst in ihren Ideen aktiviert und diese zur Visualisierung bringt. Dafür eignet sich die Kartenfrage für Problematiken, bei denen eine Bedenkzeit sinnvoll ist.
Die SuS sammeln zunächst ihre Ideen für ihre Schülerzeitung, gefragt wird nach Vorschlägen zum Namen der Zeitung, zur Art der Beiträge und ihren Themen. Diese Ideen werden mit Karten an die Tafel/ Pinnwand gebracht. Mit dem Hinweis, dass jede(r) Schüler/in mindestens einen Beitrag leisten soll wird gewährleistet, dass alle sich beteiligen und nicht in der Anonymität beschriebener Karten verschwinden.
Danach kann der Moderator eine Clusterphase einschieben, in der auf Zuruf die Karten am Visualisierungsmedium sortiert und gruppiert werden. So entstehen mehrere Rubriken, hier z.B. Name der Zeitung, Titelstory der ersten Ausgabe, Rubriken, …
Nach dieser Sortierphase, wenn die SuS aktiv jeden Bereich mit bearbeitet haben, wird je nach Bedarf und Größe des bestehenden Angebots an Vorschlägen, eine Eingrenzung vorgenommen. Bei den Themen der Schülerzeitung kann dies durch eine Mehrpunktfrage geschehen. Die SuS markieren mit Klebepunkten o. ä. diejenigen 3-4 Themen, die sie gerne in ihrer Schülerzeitung wieder finden würden. Nach Auszählung der Punkte wird eine Rangliste erstellt, die die gewählten Themen zeigt, die aussondierten Vorschläge werden dann von der Lehrkraft weggenommen.
Für eine Weiterführung des Projektes, das nun den SuS bestimmte Aufgaben und Themen zuweisen soll, wird eine Liste als Verteilungsplan der Aufgaben erstellt. Die SuS können sich, das wäre je nach Atmosphäre abzuschätzen, durch Zuruf für bestimmte Themen eintragen oder sich zunächst für eine Aufgabe/Funktion bewerben, um hinterher sicher zu stellen, dass schüchterne SuS nicht benachteiligt werden. So entsteht eine Art Redaktionsliste mit verteilten Aufgaben, an der jede(r) Schüler(in) den aktuellen Stand des Unterrichts ablesen kann. Mit diesem Ergebnis können die SuS dann beispielsweise in ihre Einzel-, Paar- oder Gruppenarbeiten entlassen werden. In regelmäßigen, kürzeren Zeitabständen werden die Gruppen wieder zusammengeführt und die Zwischenergebnisse werden mit Plakaten oder evtl. mündlichen Kurzreports den anderen Gruppen mitgeteilt. Hierbei kann immer wieder kontrolliert werden, wie gleichmäßig der Lern- und Produktionsfortschritt zwischen den Gruppen ist und das Ziel, die Fertigstellung der ersten Zeitungsausgabe, wird ganz bewusst bearbeitet.
Dieses methodische Zusammenspiel ist sicher keine neue Erfindung der Didaktiken. Jedoch hebt die Besonderheit der Moderationsmethode die Selbständigkeit der SuS in neuer Weise hervor und valorisiert sie.
Der Fremdsprachenunterricht
Der Fremdsprachenunterricht unterliegt besonderen Bedingungen, was den Umgang mit sprachlichen Mitteln im Unterricht betrifft. Kann die Sprache in anderen Fächern einfach als Mittel der Metakommunikation angewendet werden, so müssen im fremdsprachlichen Unterricht erst die didaktischen Ziele abgewogen werden.
Der aktuelle Stand des Französischunterrichts tendiert in den letzten Jahren in Richtung eines einsprachigen Sprachunterrichts. Es sollen möglichst keine muttersprachlichen Elemente zur Klärung von Sachfragen benutzt werden. Stattdessen setzt die Lehrkraft auf die Wirkung nonverbaler Kommunikation und die Möglichkeiten des jeweiligen transparenten Wortschatzes.
Diese Prämissen müssen bei der Anwendung verschiedener Unterrichtsmethoden und vor allem bei den Moderationsmethoden besonders beachtet werden.
Die SuS müssen in der Lage sein, Sprache des entsprechenden Niveaus in der Fremdsprache ohne größere Schwierigkeiten zu produzieren, sonst gerät der Unterricht ins Stocken durch evtl. Schüchternheit der Teilnehmer. Es sollen keine Ängste vor Fehlern entstehen, die die SuS hemmen könnten. Daher muss im Vorhinein das nötige Sprachmaterial geklärt und zur Verfügung gestellt werden.
Bei einem langfristig geplanten Einsatz der Moderationsmethode, der prinzipiell mit der Idee der Sprachaktivierung der SuS einhergeht und somit den monolingualen Ansatz der Fremdsprachendidaktik unterstützt, gibt es vielfältige Möglichkeiten, die SuS beispielsweise durch Einübung von Standardsätzen zur Klärung von Sachverhalten und Benennung von Dingen zu unterstützen und vorzubereiten.
Fazit
Die Moderationsmethode bietet vielfältige Möglichkeiten im Kontext Schulunterricht und kann flexibel in nahezu allen Bereichen eingesetzt werden. Zusätzlich unterstützt sie die Inhalte der Kernlehrpläne, die nun mehr soziale und methodische Kompetenzen von den SuS fordern. Ihr Einsatz entspricht also einem ganzheitlichen Lernansatz. Positiv zu erwähnen ist noch der Zeitaufwand, der für die SuS erspart werden kann. Die Ergebnissicherung findet nicht durch langes Abschreiben statt, sondern kann zunächst mit Plakaten ersetzt und später in Kopiervorlagen o. ä. umgewandelt werden. Die Moderationsmethode visualisiert zusätzlich die klare Verlaufsstruktur des Unterrichts und bietet somit gedankliche Anknüpfungspunkte, an denen die SuS sich orientieren und die ihnen das Lernen und das Einordnen der Themen erleichtern. Dies ist in beispielsweise im Frontalunterricht nicht unbedingt gegeben.
Kritisch könnte man anmerken, dass ein Unterricht auf Moderationsbasis nicht exakt einer Moderationssituation entspricht, da die Lehrkraft nicht völlig aus der Leiterposition aussteigen kann und darf. Des Weiteren richtet sich das Tempo eher nach den stärkeren SuS als nach den Schwächeren. Die Lehrkraft steht hier in einer besonderen Aufsichts- und Regulierungsverantwortung gegenüber den schwächeren SuS. Letztlich ist der Erfolg der Moderationsmethode im Unterricht eng an die Fähigkeiten und Kompetenzen der Lehrperson geknüpft, wie dies auch bei althergebrachten Methoden der Fall ist.
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