Moderation im Geschichtsunterricht
Ausarbeitung von Rebekka Strauch
1. Einleitung
Ich studiere Spanisch, Latein und Geschichte auf Lehramt für Gymnasien und Gesamtschulen. In meiner eigenen Schulzeit und auch während des Orientierungspraktikums habe ich oft die Erfahrung gemacht, dass Diskussionsrunden im Unterricht vollkommen ergebnislos enden. Das hat meiner Ansicht nach verschiedene Gründe: Ein großes Problem besteht darin, dass es kaum möglich ist, alle Klassenmitglieder in die Diskussion zu integrieren, die meistens von einer kleineren Gruppe interessierter Schülerinnen und Schüler getragen wird, während andere völlig abschalten, da auch der Wissensstand oft sehr unterschiedlich ist. Einige trauen sich vielleicht gar nicht mehr, sich in die Diskussion einzumischen. Als zweiten schwerwiegenden Punkt würde ich vor allem die fehlende Ergebnissicherung nennen. Die Diskussionen werden oft durch das Klingelzeichen unterbrochen, ohne dass die Ergebnisse zusammengetragen und festgehalten wurden. In der nächsten Stunde werden dann entweder viele Argumente wiederholt, oder die Diskussion verläuft ganz im Sande. Dasselbe passiert, wenn eine ungesteuerte Diskussion zu weit von Thema abkommt oder sich immer nur um einen einzelnen Punkt dreht, weil einzelne Gruppenmitglieder sich darauf eingefahren haben.
Die Moderationsmethode könnte in vielen dieser Fälle helfen, da sie dazu beiträgt, Diskussionen zielorientierter verlaufen zu lassen, die Beteiligung der gesamten Klasse zu fördert und außerdem alle Ergebnisse sofort festgehalten werden.
2. Ein Beispiel für die Anwendung im Unterricht
Im folgenden möchte ich gerne ein Beispiel geben, wie man die Moderationsmethode im Geschichtsunterricht einsetzen könnte. Dafür habe ich mir ein ca. 2wöchiges Projekt (ca. 6 Unterrichtsstunden) für eine zehnte Klasse überlegt, in dem eine Wandausstellung zum Thema „Die Geschichte unserer Stadt“ erarbeitet werden soll, die dann auf dem nächsten Schulfest Schülern, Eltern und Lehrern präsentiert werden kann. Ein ähnliches Projekt könnte man natürlich auch in anderen Klassenstufe durchführen. Durch den Einsatz der Moderationsmethode sehe ich hierbei hauptsächlich zwei Vorteile. Zum einen wird der Lehrplan nicht allzu viel Zeit für ein solches zusätzliches Projekt lassen und ich glaube, dass durch die Methodenwahl einige Zeit eingespart werden kann, da die Diskussionen zu Themenwahl und Vorgehensweise zielführender ablaufen könnten und außerdem alle Ergebnisse sofort festgehalten werden. Zum Zweiten hoffe ich, dass durch die Moderationstechniken auch die Identifikation der Klasse mit ihrem gemeinsamen Ergebnis erhöht werden kann, da der Lehrer in die Rolle des Moderators schlüpft und sich, vom Rahmenthema einmal abgesehen, mit Vorgaben zurückhält, so dass die Ausstellung am Ende wirklich als eigenständige Entwicklung der Klasse gesehen werden kann.
Zur Durchführung des Projektes werden folgende Materialien benötigt: Stellwand, Karten, Pinnwandnadeln, Marker, Klebepunkte, Plakate, wenn möglich Internetzugang, Stellwände zur Präsentation der Ausstellung.
In der ersten Stunde würde der Lehrer zunächst kurz das Projekt vorstellen, bevor er für den Rest der Stunde in die Moderatorrolle schlüpft. Da die Klasse sich schon seit Jahren kennt, wäre eine Kennenlernphase in diesem Fall nicht notwendig. Als erste Phase für das Projekt würde sich dann eine Zuruffrage anbieten, bei der die Schüler ihre Ideen stichwortartig vortragen und der Moderator diese auf Zetteln in zwei unterschiedlichen Farben notiert, eine für Vorschläge zu den Themen der Wandausstellung, die andere für Vorschläge zur Organisation des Projekts. Diese werden dann an einer Pinnwand angebracht und nach der Zurufphase dort „geclustert“, d.h. zusammengehörige/ähnliche Aspekte zu „Clustern“ zusammengefasst, so dass alle angesprochenen Organisationsprobleme und vorgeschlagene Themenbereiche möglichst übersichtlich zu sehen sind. Nach Abschluss dieser Phase würde ich die Pinnwand noch photographieren, damit das Ergebnis später wieder eingesehen werden kann und der Prozess durchsichtig bleibt. Außerdem könnte man sich überlegen, ob man nicht später mit Hilfe der Fotos die Arbeitsmethoden und Zwischenschritte gleich mit vorstellen könnte.
Im folgenden gibt es nun zwei zu lösende Aufgaben, einmal müssen Themenbereiche für die Wandausstellung aus den Vorschlägen ausgewählt werden, zum anderen muss ein Tätigkeitskatalog zur Organisation der Wandausstellung erstellt werden. Da die Themen für die Gruppe sicherlich erstens interessanter sein werden und sich zweitens vielleicht noch weitere Organisationsfragen aus der Themenwahl ergeben könnten, würde ich hier auf jeden Fall mit der Auswahl der Themen beginnen. Da die Plakate zu den Themen später in Gruppen von etwa 3 oder 4 Schülern erarbeitet werden sollen, könnten, wenn man von einer Klasse mit ungefähr 28 Schülern ausgeht, etwa acht Themen für das Projekt ausgewählt werden.
Zur Auswahl der Themen würde ich nun den Einsatz einer Mehr-Punkt-Liste empfehlen. Die Tabelle sollte der Moderator möglichst schon vorher vorbereitet haben, damit das Eintragen der Vorschläge in der Stunde nicht so lange dauert. In diese Tabelle werden dann die im Cluster herausgearbeiteten Themenvorschläge untereinander eingetragen. Solche Vorschläge könnten z.B. sein „Die Anfänge der Stadt Köln“, „Der Bau des Kölner Doms“, „Köln im zweiten Weltkrieg“ und ähnliche, oder auch bekannte, mit Köln verbundene Persönlichkeiten wie z.B. wie Konrad Adenauer, oder auch Willy Millowitsch. Je nach Ideen der Schülern können aber natürlich auch noch ganz andere Themen dabei herauskommen. Außerdem könnte evtl. auch eine Gruppe eine Zeitleiste zur Übersicht erstellen.
Im folgenden würde dann jeder Schüler 3 Klebepunkte erhalten und könnte sie bei den von ihm bevorzugten Themen anbringen, die sieben Themen mit den meisten Punkten würden dann in das Projekt aufgenommen. Wenn das Ergebnis unter den letztplatzierten Themen sehr knapp ist, könnte man unter Umständen auch noch eine weitere Gruppe bilden, allerdings nur, wenn die Situation das zulässt, ohne dass dann eine neue Diskussion über weitere Themen aufkommt. Die Einteilung der Schüler in die Gruppen würde ich am liebsten einfach nach Interessenlage vornehmen, allerdings wird es bei einigen, sehr beliebten Themen wahrscheinlich Probleme geben. Da die Themen aber immerhin von der Klasse selbst ausgewählt wurden, hoffe ich, dass sich hier im Zweifelsfall mit Hilfe des Moderators Kompromisse finden ließen, ohne zu stark aus der Lehrerrolle eingreifen zu müssen.
Vor der eigentlichen Erarbeitungsphase der Kleingruppen würde ich jetzt noch gemeinsam den Tätigkeitskatalog erstellen. Hierbei werden die im Cluster aufgeführten Aufgaben verteilt und in einer Tabelle festgehalten. Hierzu würden Aufgaben gehören wie z.B. „Stellwände für die Ausstellung organisieren“, „Einen Dienstplan für die Anwesenheit am Stand aufstellen“, Aufbau und Abbau des Standes, Erstellung eines zusätzlichen Plakats mit Fotos vom Unterrichtsprojekt etc.. Für jeden Bereich sollte ein Verantwortlicher ausgewählt werden, der sich dann mit Helfern um die Aufgabe kümmert. Damit nichts vergessen werden kann, wird alles sofort im Tätigkeitskatalog festgehalten.
Die nächsten zwei bis drei Unterrichtsstunden würde ich dann den Kleingruppen zur Erarbeitung der Themenplakate zur Verfügung stellen. Materialien wie die Plakate und entsprechende Stifte sollte der Moderator mitbringen. Allerdings ist eine wichtige Voraussetzung für die Durchführbarkeit des Projektes, dass sich die Schüler zu Hause bereits über ihr Thema informieren, um dann in der Gruppe die gemeinsame Darstellung erarbeiten zu können. Daher muss der Lehrer an dieser Stelle leider doch eingreifen und den Schülern diese Hausaufgabe aufgeben, da ich befürchte, dass es sonst zu erheblichen Zeitproblemen kommen könnte. Wenn das in der Schule möglich ist, wäre es aber trotzdem sinnvoll, wenn den Gruppen auch im ersten Teil der Erarbeitungsphase im Unterricht ein Internetzugang zur Verfügung stünde. Die Gruppen sollten sich erst einmal selbstständig um ihr Thema kümmern, bei Problemen z.B. bei der Materialbeschaffung könnten sie den Moderator/Lehrer aber natürlich um Hilfe bitten. Nach dieser Informationsphase würden die Gruppen dann im zweiten Teil der Erarbeitungsphase die Plakate erstellen.
Wenn auch diese Phase abgeschlossen ist, würde eine Phase folgen, in welcher die Gruppen sich gegenseitig ihr Ergebnis vorstellen. Dazu sollte jede Gruppe Zeit bekommen, um die Klasse über ihr Thema zu informieren, zusätzlich würde ich der Klasse auch die Zeit geben, in Ruhe herumzugehen und sich die Plakate der anderen Gruppen noch einmal anzusehen. Auf diese Weise entsteht auch ein bessere Identifikation mit dem Gesamtergebnis, welches schließlich als eine Arbeit der ganzen Klasse vorgestellt werden soll.
Vor Abschluss der Projektarbeit würde ich auf jeden Fall noch ein Gruppengespräch anschließen, in dem positive sowie negative Erfahrungen der Klasse mit dieser Methode angesprochen werden. Hierzu könnte man noch einmal eine Kartenfrage nutzen, um das Ergebnis dieser Schlussbetrachtung wiederum visuell festhalten und für spätere Projekte nutzen zu können.
Damit wäre die Erarbeitung des Projekts in der Klasse erst einmal abgeschlossen. Da der Höhepunkt, also die Präsentation des Projektes aber ja noch bevorsteht, muss vor allem der Tätigkeitskatalog in der Klasse an einer gut sichtbaren Stelle aufgehängt werden, damit die noch ausstehenden Aufgaben nicht in Vergessenheit geraten. In dieser Tabelle sollte dann auch konsequent abgehakt werden, welche Aufgaben schon erledigt wurden und welche noch ausstehen. Außerdem sollte zwischen den Projekttagen und der Präsentationsmöglichkeit, z.B. auf einem Schulfest, im Rahmen einer anderen Schulaufführung o.ä. nicht zu viel Zeit vergehen, damit die Themen den Schülern, die ja auch in der Lage sein sollten, etwas zu ihrem Projekt zu erklären, noch präsent sind. Außerdem würde eine zu lange Zwischenzeit die Identifikation mit dem Ergebnis wahrscheinlich wieder schmälern, einfach weil irgendwann das Interesse verloren geht, wenn die Erarbeitung schon zu lange zurückliegt.
3. Fazit
Die praktische Durchführbarkeit meiner Idee konnte ich jetzt natürlich nicht testen. Ich gehe davon aus, dass an der ein oder anderen Stelle wahrscheinlich Probleme auftauchen würden. Diese könnte man dann aber in der Abschlussbesprechung gemeinsam mit den Schülern thematisieren und, bevor man ein ähnliches Projekt in einer anderen Klasse durchführt, an den entsprechenden Stellen noch einmal überarbeiten. Insgesamt denke ich aber, dass der Einsatz der Moderationstechniken bei einem solchen Projekt sehr sinnvoll ist und auf diese Weise ein besseres und unstrittigeres Ergebnis erzielt werden kann, mit dem sich die Gruppe vor allem besser identifizieren kann, was mir, neben der klareren Organisation, hier der wichtigste Vorteil zu sein scheint.
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