Moderation im Deutschunterricht

Ausarbeitung von Franzika Sandhaus
 
 
Moderation im Unterricht- Die Zuruffrage
 
 
I. Bestimmung des Kontexts
 
Im folgenden soll die Moderationsmethode der Zuruffrage auf den Kontext Deutschunterricht an der gymnasialen Oberstufe angewendet werden.
Es handelt sich um einen Grundkurs der zwölften Klasse mit ungefähr 15 Schülern.
Das Ziel der 45-minütigen Stunde ist es, den Schülerinnen und Schülern die verschiedenen Formen des Dramas (offenes, geschlossenes und episches Drama) anschaulich zu vermitteln.
 
 
II. Einstieg- Die Zuruffrage
 
Da es sich um den Kontext Schule handelt, das heißt Schülerinnen und Schüler sich bereits untereinander kennen und ebenfalls mit der Lehrperson vertraut sind, erübrigen sich Moderationen, die das gegenseitige Kennenlernen zum Gegenstand haben.
Stattdessen kann sofort mit dem Thema der Stunde begonnen werden, welches mit dem Tafelbild “Dramenformen” visualisiert wird.
Außerdem sollte die Technik der Zuruffrage kurz verbal erläutert werden, falls dieses in vorherigen Unterrichtsstunden nicht sowieso schon geschehen ist oder sie dort noch nicht zur Anwendung gekommen ist.
Dadurch kann mehr Transparenz geschaffen werden und den Schülerinnen und Schülern ist klar, was von ihnen verlangt wird.
Der Einstieg soll mittels der Zuruffrage geschehen, die sehr offen formuliert sein soll:
 
Was fällt Ihnen zum Stichwort Drama ein?”
 
Nun sollen die Schülerinnen und Schüler ganz frei ihre Gedanken äußern wobei durch den Moderator darauf zu achten ist, dass sich die gesamte Gruppe einbringt und somit möglichst jeder Schüler/in zu Wort kommt.
 
 
IIa. Sammeln der einzelnen Redebeiträge
 
Jede Aussage wird durch den Moderator auf Karten schriftlich festgehalten und somit visualisiert.
Damit kein Redebeitrag verloren geht, ist es gegebenenfalls sinnvoll einen Co-Moderator zu verpflichten, sodass der Moderator in seiner Arbeit entlastet wird.
Durch den Co-Moderator wird außerdem gewährleistet, dass sich keiner der Schülerinnen und Schüler benachteiligt fühlt oder eine Aussage nicht wertgeschätzt wird.
Im Optimalfall sind den Schülerinnen und Schülern bereits mehrere wichtige Dramen bekannt, sodass eine Vielfalt verschiedener Dramenformen zustande kommen kann.
Die auf den Karten schriftlich festgehaltenen Aussagen werden durcheinander an die Tafel geklebt.
Diese erste Phase wird voraussichtlich sieben bis zehn Minuten dauern.
 
 
IIb. “Clustern” der Redebeiträge
 
Um den Grad der aktiven Teilnahme der Schülerinnen und Schüler möglichst hoch zu halten, sollten diese nun selber versuchen die Karten zu ordnen beziehungsweise zu clustern.
Das Clustern kann nach den Kriterien der Schülerinnen und Schüler stattfinden, das heißt zum Beispiel, dass die Dramen nach ihrer ungefähren zeitlichen Entstehung angeordnet werden könnten. (“Dramen des 18. Jahrhunderts”, “Dramen der Moderne” etc.)
Der Moderator sollte hier nur eine vermittelnde Funktion haben, sich also möglichst zurückhalten, um den Schülerinnen und Schülern die Chance zu geben selbst die Verknüpfungen herzustellen und somit Zusammenhänge zu sehen.
Sind die einzelnen Cluster fertig gestellt, werden sie vom Moderator durch Kreide umrandet und es wird signalisiert, dass das Cluster abgeschlossen ist.
Falls Fehler vorliegen müssen diese selbstverständlich durch den Moderator behoben werden. Das Clustern wird ungefähr fünf Minuten dauern.
 
 
 
IIIa. Kleingruppenarbeit
 
Im Anschluss daran sollen die Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen die Definitionen der verschiedenen Dramenformen erarbeiten.
Hierzu werden vom Moderator Kopien vorbereitet, die die Kennzeichen von Dramen darstellen und den Schülerinnen und Schülern behilflich sind bei der Erstellung der Definitionen.
Die Einteilung der Gruppen erfolgt durch den Moderator, damit möglichst heterogene Gruppen zustande kommen und nicht immer die gleichen Schülerinnen und Schüler zusammen arbeiten.
Bei einer Kursgröße von fünfzehn Schülern ergibt dies drei Gruppen á fünf Personen.
Die einzelnen Gruppenmitglieder sollen nun zueinander finden und im Anschluss daran wird die Aufgabenstellung durch den Moderator erläutert:
 
Erarbeiten Sie eine prägnante Definition Ihrer Dramenform mithilfe der
ausgeteilten Kopie und stellen Sie diese anschließend im Plenum vor”
 
 
Die Aufgabenstellung wird schriftlich an der Tafel festgehalten und die Bearbeitungszeit von zehn Minuten bekannt gegeben.
Danach werden die Kopien vom Moderator zu den verschiedenen Dramenformen ausgeteilt.
In dieser Phase setzen sich die Schülerinnen und Schüler theoretisch mit dem Thema auseinander und können Bezüge zum Einstieg der Stunde durch die Zuruffrage herstellen. Außerdem wird die Kenntnis, die sie bereits von Dramen im Allgemeinen haben, wissenschaftlich erschlossen.
 
 
 
 
 
IIIb. Präsentation der Ergebnisse
 
Nach Ablauf der Bearbeitungszeit stellt ein/e durch den Moderator ermittelter Schüler/in seine/ihre Definition dem Rest der Klasse vor.
In diesem Fall übernimmt der Schüler/ die Schülerin Aufgaben eines Moderators beziehungsweise schlüpft vorübergehend in seine Rolle.
Rhetorische Kompetenzen und ein sicheres Auftreten vor einer größeren Gruppe können durch diese Aufgabe geübt werden.
Es ist sehr wichtig, dass der Moderator den Schüler/ die Schülerin, der die jeweilige Definition vorstellt, erst nach abgeschlossener Kleingruppenarbeit auswählt.
Dadurch kann nämlich eine gleichmäßige Mitarbeit durch alle Schülerinnen und Schüler gewährleistet werden, da allen Gruppenmitgliedern bewusst ist, dass sie theoretisch für die Präsentation ausgewählt werden können.
 
Während die Definition nun durch den jeweiligen Schüler-Moderator im Plenum vorgestellt wird, soll diese des Weiteren durch einen Protokollanten auf der Tafel schriftlich festgehalten werden, sodass auch diese visualisiert wird.
Der Reihe nach werden alle drei Definitionen präsentiert. Danach wird den Schülerinnen und Schülern ca. zehn Minuten Zeit gegeben, um die Definition in ihr Heft zu übertragen, so dass sie neben der eigenen Definition aus der Kleingruppe auch die der anderen Gruppen haben.
So geht keinerlei Information verloren und alle Schülerinnen und Schüler sind auf dem gleichen theoretischen Stand.
Die Präsentation zusammen mit dem Abschreiben der Ergebnisse wird vermutlich fünfzehn bis siebzehn Minuten dauern.
 
 
IV. Verknüpfung der Zuruffrage mit der Kleingruppenarbeit
 
Nachdem die Schülerinnen und Schüler zuerst praktisch und im Anschluss theoretisch mit dem Thema Drama vertraut gemacht wurden, sollen diese nun die drei Cluster, die am Anfang der Stunde an der Tafel festgehalten wurden mit den jeweiligen Definitionen in Verbindung setzen.
 
Diese letzte Aufgabe wird vermutlich wenig Zeit in Anspruch nehmen ( ca. zwei bis drei Minuten); der Moderator kann diese Frage der Klasse stellen und die richtige Antwort über dem jeweiligen Cluster anschreiben. Die drei Cluster sind damit endgültig abgeschlossen.
Den Schülern soll nun ungefähr fünf Minuten Zeit gegeben werden, um die kompletten Cluster ebenfalls in ihr Heft zu übertragen.
 
 
 
V. Ziel der Verbindung der Moderationsmethode mit herkömmlichen
Unterrichtstechniken
 
In diesem exemplarischen Unterrichtsentwurf wurde die Moderationsmethode mit konventionellen Unterrichtstechniken verbunden und dadurch konnte das Ziel der Unterrichtsstunde optimal umgesetzt werden.
Denn durch den unkonventionellen und offenen Einstieg durch die Zuruffrage wurden die Schülerinnen und Schüler bereits an das Thema herangeführt und konnten ihr außerschulisches Wissen anwenden.
Durch die theoretischen Texte wurde ihnen zudem ein Wissen vermittelt, das vorher in dem Maße vermutlich nicht vorhanden war.
Der kognitive Lernprozess konnte durch die Anwendung der Moderationsprozess gesteigert werden.
Außerdem war der Grad an Eigenarbeit durch die Schülerinnen und Schüler in dieser Unterrichtsstunde höher als im Durchschnitt.
Indem die Schülerinnen und Schüler selbst die Definitionen erarbeitet haben und dieses Wissen nicht durch einen Lehrervortrag vermittelt worden ist, waren die Schülerinnen und Schüler die ganze Zeit aktiv.
In diesem Beispiel konnte die Moderationsmethode sehr gut eingebaut werden, um den Unterrichtsverlauf etwas abwechslungsreicher zu gestalten und trotzdem gesicherte Ergebnisse zu gewinnen und den Schülerinnen und Schülern Wissen zu vermitteln.