Kleingruppenarbeit
Ausarbeitung von Claas Timmler
Problemstellungen, dessen Konstellationen und -lösungen lassen sich selten isoliert durch eine Person lösen – einerseits besitzt eine einzelne Person selten die absolute Entscheidungskompetenz, andererseits sollen an Entscheidungs- und Problemlösungsprozessen möglichst alle Beteiligten partizipieren. Diese Notwendigkeit zeigt sich nahezu in allen Erarbeitungs- und Problemlösungsprozessen, die in diversen, nicht nur in politischen und ökonomischen Praxen auftreten. Seit Menschengedenken arbeiten Menschen zusammen um wechselseitige Vorzüge und Vorteile daraus zu realisieren. Der gezielte initiierte Einsatz der Gruppenarbeit als Methode im Unterricht hat allerdings erst im Laufe der 1960er Jahre Anwendung gefunden.
Die Definition von Kleingruppenarbeit fasst Terhart folgendermaßen zusammen:
„Von Gruppenunterricht kann erst dort gesprochen werden, wo der Klassenverband auf Zeit in Kleingruppen aufgelöst wird und diese bei definierter Aufgabenstellung jeweils eigenständige Lösungen erarbeiten, die ggf. wieder in ein Gesamtergebnis eingebracht werden.“
Gudjons ergänzt diese noch recht wage Beschreibung indem er konkretere Angaben macht: Ein Kleingruppenunterricht soll mit Gruppen von drei bis maximal sechs Schülern einer Klasse stattfinden. Die Gruppenarbeit der Gruppen soll vom gleichen Lehrer betreut werden und zeitlich parallel ablaufen. Inhaltlich sollen
„die Aufgabenstellungen […] in einem unterrichtlichen Zusammenhang stehen und auf die Entwicklung von Kooperationsfähigkeit, auf fortschreitend-entdeckendes Verhalten und gemeinsame Problemlösungen zielen."
Es soll also unter der Berücksichtigung der Unterrichts- und Bidlungsinhalte eine zusätzliche Aufgabe schulischer Bildung realisiert werden: Die Soziabilität der Schülerinnen und Schüler (SuS). Darüberhinaus sollen die SuS selbständiger und unabhängiger von der Lehrperson, eigene Ideen entwickeln und individuelles Wissen und Fähigkeiten austauschen, sodass durch die Zusammenarbeit zu wechselseitigen Lehr- und Lernprozessen entstehen.
Dennoch sind bei der Anwendung der Kleingruppenarbeit Regeln und deren Einhaltung von enormer Wichtigkeit. Im Falle der Schule übernimmt der Lehrer eine Rolle, ähnlich der eines Moderators. Dieser nimmt zu Beginn die Aufteilung der Gruppen vor, die nach unterschiedlichen Aspekten geschehen kann: So kann der Zufall entscheiden, z.B. durch Losung, Abzählen oder nach Sitzordnung. Auch kann nach Themeninteresse in Gruppen eingeteilt werden. Eine weitere, wohl einfachste aber zugleich problematischste Möglichkeit wäre eine Gruppenbildung nach Sympathie, die aufgrund der Klassensituation oft gleiche Gruppen erzeugt, was im Sinne der Soziabilitätsförderung sich eher negativ auswirken würde und daher als Gruppenbildungsmöglichkeit in der Schule wohl die ungeeigneteste ist. Eine Losung zwingt die SuS in immer wieder neue Konstellationen, ermöglich mehr Abwechslung und Kontakt zwischen SuS, die sonst eher wenig miteinander ins Gespräch kommen, kann aber auch zu Spannungen oder zu Ablehnung führen. Es ist also eine situativ angemessene Aufteilung nötig.
Nach der Aufteilung ist die genaue Formulierung des Arbeitsauftrages von besonderer Wichtigkeit: Der Lehrer oder Moderator muss gezielte Fragestellungen oder Aufträge, am besten schriftlich visualisiert, festhalten. Ferner muss der zeitliche Rahmen abgesteckt werden, der je nach Situation nicht länger als 30-45 Minuten umfassen sollte, damit das Plenum in der auf die Gruppenarbeit folgenden Präsentation nicht durch die Tiefe der Diskussion überfordert wird. Ein Teilnehmer der Gruppe kann mit der Rolle des "Zeitnehmers“ betraut werden. Darüberhinaus kann es je nach Gruppe sinnvoll sein, jedem Teilnehmer weitere spezifische Aufgaben zuzuteilen. Hierbei ist viel Fingerspitzengefühl des Lehrers / Moderators nötig, da ein Balanceakt zwischen Selbstbestimmung und Vorgabe gewählt werden sollte, der die SuS weder einengt, noch in eine unübersichtliche, insbesondere leistungsschwächere SuS oftmals verängstigende, allzu offene Situation entlässt.
Da es im Sinne der Kleingruppenarbeit vermieden werden sollte, dass der Lehrer bzw. Moderator inhaltlich in den Gruppenarbeitsprozess eingreift (was dennoch u.U. notwendig sein kann), weil es die Autonomie der Gruppe schwächt, kann ein Gruppenmitglied eine Leitungsfunktion übernehmen. Dies verbessert die Identifikation der Teilnehmer mit ihrem jeweiligen Gruppenergebnis und ermöglich zusätzlich unterschiedlichen SuS im Laufe mehrerer Kleingruppenarbeiten Probleme und Vorteile einer leitenden Rolle innerhalb einer Gruppenarbeit zu erkennen, wovon auch sonst eher zurückhaltende SuS profitieren können. Aber auch hier ist die Lehrperson bzw. der Moderator angehalten, situativ zu entscheiden, ob und wer eine Leitungsfunktion übernehmen sollte.
In der Kleingruppendiskussion ist es sinnvoll Ergebnisse zu visualisieren und damit festzuhalten.
Letztendlich sollen die Resultate der Kleingruppen vorgestellt und präsentiert werden. Dies kann unterschiedliche Formen annehmen. Es kann beispielsweise ein Rollenspiel, eine Ausstellung bzw. Vernissage durchgeführt, eine Wandzeitung erstellt, oder eine Expertenbefragung stattfinden. Wichtig zu bedenken ist hierbei, dass die häufige Form der Frontalinformation verhältnismäßig wenig Interaktion anregt, wodurch eine abwechslungsreiche Ergebnisdarstellung bzw. –vermittlung anzuraten ist. Dennoch kann auch ganz herkömmlich ein Teamvortrag gehalten werden. Idealerweise präsentieren hierbei zwei Gruppenmitglieder die Ergebnisse der Kleingruppe. Dies soll die Dominanz einzelner Mitglieder relativieren und die Gruppenleistung hinter dem Ergebnis ersichtlich werden lassen. Zudem verlieren sich die unterschiedlichen Diskussionsaspekte der Teilnehmer nicht, die Aspekte erfahren eine stärkere Würdigung, als wenn ein einzelner Teilnehmer präsentieren würde. Je nach Situation soll schon während der Präsentation oder im Anschluss das Plenum die Ergebnisse kommentieren, Fragen stellen und eine Diskussion angeregt werden, durch die das Thema weiter bearbeitet wird. So profitieren im Resultat alle Teilnehmer nicht nur von der eigenen Kleingruppenarbeit, sondern auch von den Ergebnissen der anderen Gruppen.
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