Moderation im Deutschunterricht
Ausformulierung zum Einsatz der Moderationsmethode im Deutschunterricht zum Thema „Bewerbung“
Jördis Twardon
I. Situation
I.1 Lerngruppe
Die Unterrichtsstunde erfolgt in einer 9. Klasse im Fach Deutsch.
In der Klasse gibt es 28 Schüler, der Anteil an Jungen und Mädchen ist gleich.
Die SuS sind aufgeschlossen und interessiert an dem Thema „Bewerbung“, da sie in der 10. Klasse ein zweiwöchiges Betriebspraktikum absolvieren müssen.
I.2 Voraussetzzungen
Bisher wurde das Thema „Bewerbung“ im Unterricht nicht behandelt.
Manche SuS haben sich trotzdem bereits im Vorfeld ein wenig mit dem Thema vertraut gemacht, andere beschäftigen sich zum ersten Mal damit.
I.3 Ziel der Stunde
Die Stunde ist eine Einführungsstunde und soll die SuS mit Hilfe der Moderationsmethode an das Thema heranführen. Da das Thema umfangreich ist, wird vom Lehrer eine Doppelstunde angesetzt.
Die SuS sollen die verschiedenen Bereiche, die zu einer Bewerbung gehören, kennen lernen. Anschließend sollen sie mit der ersten Unterrichtseinheit, dem Bewerbungsschreiben, vertraut gemacht werden. Den Abschluss der Stunde soll die Anfertigung eines eigenen Bewerbungsschreibens in Form einer Gruppenarbeit bilden. Die unterschiedlichen Ergebnisse werden vor der Klasse präsentiert und erfahren im Anschluss einen kritische Bewertung durch das Plenum.
I.4 Moderationsmethoden
-Zuruffrage
-Cluster
-Kartenabfrage
-Blitzlicht
-Visualisierung
- Feedback
I.5 Besonderes Material
Es werden Moderationskarten, Moderationsmarker, Klebepunkte, smilies und eine Pinnwand zur Visualisierung der Ergebnisse benötigt.
II. Die Moderation
Im Folgenden werden die Phasen des Unterrichts durch die verschiedenen Moderationsmethoden voneinander abgegrenzt.
II.1.1 Einstieg ins Thema: Zuruffrage und Clustern
Der Lehrer visualisiert die Frage „Was gehört zu einer Bewerbung?“ an der Tafel.
Die SuS sollen alles, was ihnen zu diesem Thema einfällt, äußern (Zuruffrage). Die einzelnen Vorschläge werden an der Tafel gesammelt. Die Antworten sollen mit Moderationskarten an der Pinnwand befestigt werden.
Im Anschluss sollen die gesammelten Ideen an der Tafel geclustert werden. Die verschiedenen Bereiche einer Bewerbung sollen dabei herausgestellt werden. So dienen die Themen Lebenslauf, Bewerbungsgespräch, Bewerbungsmöglichkeiten, u.a. als übergeordnete Themen, denen die anderen Antworten, im Unterrichtsgespräch, untergeordnet werden sollen.
II.1.2 Didaktischer Kommentar
Es kommt bei diesem Einstieg auf die Vielfalt der Antworten an. Die SuS sollen sich mit dem Thema auseinandersetzen und im Brainstorming-Verfahren ihre Ideen äußern. Zu diesem Einstieg ist keine Anonymität notwendig. Die Vielfalt der Ergebnisse und nicht die Leistung einzelner SuS sind von Bedeutung.
Die übergeordneten Themen sollen die Unterrichtsreihe „Bewerbung“ repräsentieren. Im Verlauf der nächsten Wochen sollen die SuS schrittweise an die verschiedenen Schritte einer Bewerbung herangeführt werden.
Vom Lehrer wird das erste Thema festgelegt.
III. Erarbeitungsphasen
III. 1. Inhalt und Aufbau einer Bewerbungsmappe – Kartenabfrage
Die SuS sollen sich im Folgenden mit dem Thema „Bewerbungsmappe“ befassen.
Zunächst sollen sie selber einschätzen, was unbedingt in eine Bewerbungsmappe gehört und was nicht. Dazu werden vom Lehrer Moderationskarten verteilt, auf denen jeder Schüler die einzelnen Punkte notieren soll, die seiner Meinung nach unbedingt in einer Bewerbungsmappe aufgeführt werden sollen.
Die Karten werden nach der Methode der Kartenabfrage an der Pinnwand gesammelt. Der Lehrer liest die einzelnen Punkte vor und lässt sie von den Schülern in eine sinnvolle Reihenfolge bringen (Deckblatt, Bewerbungsschreiben, Zeugnisse, usw.) und eventuell in Themenkomplexe unterteilen.
III. 2. Ein Bewerbungsscheiben-Beispiel: Ein-Punkt-Frage
Der Lehrer verteilt ein fiktives Bewerbungsschreiben, das inhaltlich und formal erhebliche Mängel aufweist, in manchen Bereichen jedoch überzeugt. Der Text wird vorgelesen, anschließend bekommt jeder Schüler einen Klebepunkt, um den Text bewerten zu können. Dabei können die Schüler sich zwischen folgenden Bereichen entscheiden:
Das Bewerbungsschreiben gefällt mir
1. sehr gut
2. gut
3. nicht so gut
4. gar nicht
Im Anschluss sollen die Tabellen ausgewertet werden. Haben die SuS erkannt, dass ein Bewerbungsschreiben in dieser Form nicht an einen Arbeitgeber geschickt werden darf?
Die SuS sollen im Plenum über ihre Ergebnisse diskutieren und auf diese Weise wichtige Punkte sammeln die unbedingt in ein Bewerbungsschreiben gehören oder die dort keinen Platz haben. Der Lehrer notiert diese an der Tafel.
III. 3. Erstellung eines Bewerbungsschreibens: Visualisierung
In Kleingruppen sollen die SuS nun selber ein Bewerbungsschreiben anfertigen. Vom Lehrer wird dazu eine Anzeige aus der Zeitung ausgeteilt, auf die sich die SuS bewerben sollen.
Die bisherigen Erarbeitungen haben die SuS auf diese Phase des Unterrichts vorbereitet.
Jede Gruppe soll im Anschluss ihre Bewerbung an einer Pinnwand vorstellen und begründet dazu Stellung nehmen. Dazu ist es besonders wichtig noch einmal auf die Anzeige einzugehen. Entspricht der fiktive Bewerber den Anforderungen, die an die künftige Arbeitsstelle gestellt werden? Ist der Aufbau und die Formulierung der Bewerbung gelungen? Sind alle wichtigen Punkte im Bewerbungsschreiben enthalten? usw.
IV. Ergebnissicherung : Feedback
Dies ist die letzte Phase der Moderation.
Die SuS sollen ihre Meinung zu den Präsentationen abgeben. Ist es den einzelnen Gruppen gelungen alle Punkte zu berücksichtigen? Wie schätzen sie ihre eigene Präsentation im Vergleich zu den anderen ein?
Die SuS sollen kritisch Stellung nehmen. Vom Lehrer muss deutlich gemacht werden, dass die SuS erst am Anfang der Unterrichtseinheit stehen. Es werden keine perfekten Bewerbungen erwartet, sondern eine kritische Auseinandersetzung, um Verbesserungen vornehmen zu können.
Jeder Schüler erhält einen „smilie“ mit einem lachenden und einem traurigen Gesicht, die sie jeweils an die Präsentation heften, die ihnen sehr gut oder gar nicht gefallen hat. Im Anschluss wird offen darüber diskutiert. Um der Gruppe mit den meisten traurigen „smilies“ nicht das Gefühl zu geben ihre Aufgabe schlecht erfüllt zu haben, sollen die SuS sich an die Methode des „Feedback-Brötchens“ halten: Jeder negativen Kritik geht eine positive voran und muss auch mit einer solchen abgeschlossen werden.
V. Fazit:
Anhand verschiedener Moderationsmethoden können die SuS einen facettenreichen Einblick in das Thema „Bewerbung“ gewinnen.
Die Moderationsmethoden sichern, dass alle SuS sich am Unterricht beteiligen und verschiedene Aufgaben übernehmen, so dass am Ende der Doppelstunde sich jeder aktiv mit dem Thema auseinandergesetzt hat.
Bei der Visualisierung der Ergebnisse der Gruppenarbeit, können die SuS üben sich zu präsentieren. Dies ist eine wichtige Vorbereitung für die folgenden Stunden der Unterrichtseinheit, in denen die SuS auch Bewerbungsgespräche inszenieren sollen.
Die SuS erhalten ein Feedback über ihre Arbeit, das sie motivieren soll sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.
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